Klinikum Westfalen stellt OP-Besteck für Srebrenica zur Verfügung

Aktuelles aus dem Klinikum

Klinikum Westfalen stellt OP-Besteck für Srebrenica zur Verfügung

An die Toten des Bürgerkriegs-Massakers von Srebrenica erinnert sich mancher, die Lebenden dort aber seien vergessen, mahnt der Dortmunder Journalist Dirk Planert. Mit Unterstützung des Klinikums Westfalen will er in diesem Jahr pünktlich ein spezielles Weihnachtsgeschenk im ehemaligen Jugoslawien ausliefern.

Dirk Planert kennt seit vielen Jahren die Situation in Srebrenica im Grenzgebiet zwischen Bosnien und Herzegowina sowie Serbien. Seit den 90er Jahren hat er dort Hilfe organisiert, schon in den Zeiten des Bosnienkrieges. Auch nach dem Ende der militärischen Konflikte sei die Situation für die Menschen dort bis heute katastrophal geblieben, schildert er. Fotos, die er vor Ort aufgenommen hat, belegen auch den  katastrophalen Stand der medizinischen Versorgung.

Ein Fernsehbericht über Planert und sein Engagement machte Carola Parlog, Krankenschwester im Knappschaftskrankenhaus Dortmund aufmerksam. Als hier Operationsbesteck ausgemustert werden sollte, reagierte sie sofort. "Die Standards sind bei uns hoch. Was hier wegen Verschleiß aussortiert wird oder durch andere Geräte ersetzt wird, das kann anderswo vielleicht noch gute Dienste tun", war sie sofort überzeugt. Dirk Planert gibt ihr Recht: im Krankenhaus von Srebrenica fehlt es an allem. Dort sei diese Form der Hilfe hoch willkommen. Carola Parlog gewann schnell die Geschäftsführung für ihre Idee.

An den Weihnachtstagen noch will Dirk Planert wieder aufbrechen nach Srebrenica. Er hat schon ganz andere Transporte dort hin organisiert. Unter anderem stattete er eine komplette Bäckerei aus. Die gibt inzwischen acht Menschen vor Ort Arbeit und verbessert die Lebensmittelversorgung. Nach wie vor gibt es Hunger in Srebrenica.  Die Bäckerei liefert 60 Familien - moslemische wie serbische sind darunter - kostenlos Brot.
Nach wie vor belastet auch die ethnische Ausgrenzung das Leben vieler Menschen dort. Spannungen im Miteinander von Serben und Bosniern, von Moslems und Christen halten an. Ethnische Ausgrenzung behindert auch die Gesundheitsversorgung. Das einzige Krankenhaus der Stadt steht so keineswegs allen Betroffenen uneingeschränkt offen. Auch Hilfslieferungen müssen Hürden nehmen. Dirk Planert kennt den Kampf mit Formalitäten und Behinderungen. Er weiß auch, dass reine Hilfslieferungen nicht genügen. Für den Aufbau der Bäckerei zum Beispiel kämpfte er auch vor Ort aktiv mit. Eine feste Anstellung gab er für seinen Hilfseinsatz auf.

Neben vielen kleinen ganz konkreten Hilfen vor Ort will Dirk Planert nun vor allem die Gesundheitsversorgung verbessern. Die Ausstattung der Krankenhaus-Ambulanz in Srebrenica ist miserabel. Es fehlt an Verbandsmaterial, Medikamenten, technischer Ausstattung. Nicht einmal Blutuntersuchungen sind vernünftig möglich, da es keine Zentrifuge gibt.
Dirk Planert sucht wie im Beispiel der Bäckerei Mittel und Wege, nicht einfach Spenden zu sammeln, sondern Strukturen zu schaffen, die von Bestand sind und dauerhaft die Situation verbessern. Ohne finanzielle Unterstützung aus Deutschland aber geht das nicht. Der von Dirk Planert geleitete Verein "Help Srebrenica" will daraus ganz konkrete Wirtschaftsförderung entwickeln. In einem Fall waren das 200 Küken, eine ganz praktische Starthilfe für einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb.

Carola Parlog hat bei einem Aufenthalt in Indien mit einer Hilfsorganisation erfahren, was ganz praktische Hilfe bewirken kann, aber auch wie nötig das in vielen Teilen der Welt ist. Sie hofft, dass der Hilfstransport von Brackel nach Srebrenica dazu einen kleinen Beitrag leistet.

Info: Hilfsmöglichkeiten
Es gibt viele Möglichkeiten die Arbeit von Help Srebrenica zu unterstützen: Wer mit seinem Mobiltelefon eine SMS mit dem Text Bosnien an die Nummer 81190 schickt, beschert dem Verein fünf Euro. Der Mobilfunk-Vertrag muss dafür Mehrwert-Dienste zulassen. Wenn es klappt, folgt eine Bestätigung per SMS.

Der Verein unterhält ein Spendenkonto:
Sparkasse Dortmund
Kontonummer: 241 023 281
Bankleitzahl: 4405 0199
IBAN: DE55 4405 0199 0241 0232 81
BIC/SWIFT: DORTDE33XXX

Dirk Planert sammelt auch ganz praktische Hilfen. Informationen dazu, was gebraucht wird und zu den Kontaktdaten des Vereins liefert die Internetseite www.helpsrebrenica.org.

Info: Das Massaker von Srebrenica
8000 muslimische Jungen und Männer wurden im Juli 1995 im bosnischen Srebrenica von fanatisierten Serben ermordet - es war das größte Massaker in Europa seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Der ehemalige bosnische Serbenführer Radovan Karadzic und der einstige Militärchef Ratko Mladic gelten als Hauptverantwortliche für den Genozid. Der Massenmord geschah trotz der Anwesenheit von Blauhelmsoldaten in der Region.