Dr. Larrosa-Lombardi Infektiologe am Klinikum Westfalen
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Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Coronavirus

Interview mit dem Infektiologen Dr. Simon Larrosa-Lombardi, Leitender Oberarzt in der Klinik für Pneumologie am Knappschaftskrankenhaus Dortmund, zum Coronavirus.

 

Was sind Coronaviren?

Coronaviren können sowohl Menschen als auch verschiedene Tiere infizieren. Coronaviren verursachen bei Menschen verschiedene Krankheiten, von gewöhnlichen Erkältungen bis hin zu gefährlichen oder sogar potentiell tödlich verlaufenden Krankheiten wie dem Middle East Respiratory Syndrome (MERS) oder dem Severe Acute Respiratory Syndrome (SARS). In der Vergangenheit waren schwere, durch Coronaviren verursachte Krankheiten wie SARS oder MERS zwar weniger leicht übertragbar als Influenza, aber sie haben dennoch zu hohen Fallzahlen geführt.

Wofür stehen verschiedene verbreitete Bezeichnungen für das aktuelle Virus?

Der aktuelle Ausbruch wird durch ein Coronavirus verursacht, das genetisch eng mit dem SARS-Virus verwandt ist und Menschen bisher nicht betroffen hat. Dieses neuartige Coronavirus hat den Namen SARS-CoV-2 bekommen. Die von SARS-CoV-2 ausgelöste Erkrankung heißt COVID-19 (Coronavirus Disease 2019).

Was löst dieses Virus aus?

Wie andere Coronaviren kann auch SARS-CoV-2 mit milden Verläufen, typischerweise mit einer Erkältungssymptomatik auftreten. Manche Menschen weisen auch gar keine Krankheitssymptome auf. SARS-CoV-2 kann aber auch schwere Krankheitsverläufe insbesondere Infektionen der Atemwege verursachen und zu Lungenentzündungen führen. Todesfallraten sind schwer festzulegen, weil die Krankheitsdaten aus den verschiedenen Ländern mit betroffenen Patienten nicht einheitlich erfasst werden. Möglicherweise ist die Sterblichkeitsrate vergleichbar mit der einer schweren Grippewelle, oder etwas höher. Ein erhöhtes Gesundheitsrisiko tragen ältere Patienten und Personen, die bereits an schweren Grunderkrankungen, litten.

Wie wird sich das Virus in der Region weiter ausbreiten?

Das ist schwer einzuschätzen. Das Tempo der weiteren regionalen Verbreitung hängt davon ab ob es gelingt, Infektionsketten zu unterbrechen und zu begrenzen, so lange nur relativ wenige Menschen betroffen sind. Hier sind die Gesundheitsämter gefordert. Jeder kann dazu beitragen, die Ausbreitung zu behindern, in dem er Empfehlungen zum eigenen Schutz und zum Schutz anderer befolgt.

Wie kann man sich schützen?

Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist möglich. Nach momentanem Wissenstand erfolgt die Übertragung als Tröpfcheninfektion über respiratorische Sekrete (also beim Husten und Niesen). Empfohlen werden daher Maßnahmen, wie sie auch bei einer Grippewelle überall und jederzeit angeraten sind. Dazu gehören gute Händehygiene sowie Husten- und Nies-Etikette zu beachten und Abstand zu Erkrankten einzuhalten. Regelmäßiges Händewaschen ist der beste Schutz. Desinfektionsmittel sind dabei im normalen Umgang nicht zwingend erforderlich. Der Verzicht auf Händeschütteln und Umarmungen kann helfen.

Was ist bei der Verbreitung des Coronavirus anders, als bei einer Grippe?

Da es sich um ein neues Virus handelt, gibt es keine Personen mit Immunitäten aus einer früheren Erkrankung und noch keine Schutzimpfung. Da aktuell, wie bei vielen anderen Viruserkrankungen, keine Medikamente für eine gezielte Bekämpfung der Erkrankung selbst zur Verfügung stehen, erfolgt im Krankheitsfall eine symptomatische Behandlung. Dafür stehen natürlich umfassende medizinische Möglichkeiten zur Verfügung.

An wen sollten sich Verdachtsfälle oder Betroffene wenden?

Um Informationen und Verhaltensregeln zu erfragen, sind vor allem die Info-Telefone der Gesundheitsämter gedacht. Dort werden bei begründeten Verdachtsfällen auch Testungen durchgeführt und Quarantänemaßnahmen ausgesprochen. Erster Ansprechpartner bei gesundheitlichen Einschränkungen ist ansonsten der Hausarzt. Nur bei schweren Krankheitssymptomen sind die Krankenhäuser der richtige Partner. Ganz wichtig: Eine telefonische Anmeldung ist wichtig. Verdachtspersonen sollten nicht allgemeine Wartezimmer aufsuchen. In unseren Krankenhäusern sind separate Wartebereiche eingerichtet. Wenn stationäre Aufnahmen erforderlich sind, erfolgen diese zunächst - in enger Absprache mit den Gesundheitsämtern - in Häusern mit ausgewiesenen Isolationsabteilungen wie dem Klinikum Nord in Dortmund oder dem Marien-Hospital in Lünen. Falls die Zahl Erkrankter weiter ansteigen sollte, werden auch andere Krankenhäuser entsprechende Bereiche schaffen. Das Klinikum-Westfalen hat sich mit einem abgestuften Notfallkonzept auf die weitere Entwicklung vorbereitet.

Wer wird auf SARS-CoV-2 getestet?

Eine Abklärung durch einen Test wird momentan vor allem empfohlen, wenn ein begründeter Verdachtsfall besteht. Dazu gehören einerseits passende Symptome, andererseits der Aufenthalt in einem Risikogebiet oder Kontakt mit Menschen mit bestätigter Infektion mit SARS-CoV2. Maßgeblich sind die Empfehlungen der Gesundheitsämter, die zum Teil auch Testungen selbst anbieten.

Wie erfolgen Diagnostik und Behandlung?

Sollte eine Diagnostik für SARS-CoV-2 indiziert sein erfolgt diese durch eine PCR-Untersuchung. Das Material dazu wird entweder aus einem Abstrich ähnlich zu einem Influenzaabstrich oder aus Sekreten der unteren Atemwege gewonnen. Die Behandlung einer nachgewiesenen Infektion umfasst entsprechend der Schwere des Krankheitsbildes umfassende unterstützende Maßnahmen (z.B. Sauerstoffgabe, Ausgleich des Flüssigkeitshaushaltes, ggf. Antibiotikagabe zur Behandlung von bakteriellen Alternativ-/Begleitinfektionen, engmaschiges Monitoring, ggf. unterstützende nicht-invasive/invasive Beatmung) sowie die Behandlung von relevanten Grunderkrankungen. Spezialisierte Krankenhäuser halten dafür alle erforderlichen medizinischen Möglichkeiten vor.

Wo kann ich mich zusätzlich informieren?

Umfassende weitere Informationen sind auf der Internetseite des Robert-Koch-Institutes unter www.rki.de/ncov abrufbar.
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