Alt Tag
Dr. Peter Ritter, Chefarzt für Onkologie am Hellmig-Krankenhaus Kamen, referierte im Rahmen der Veranstaltungsreihe Pulsschlag.

"Krebs wird einen Teil seines Schreckens verlieren"

Chefarzt Dr. Peter Ritter ist überzeugt: In 20 Jahren wird es eine klassische Chemotherapie kaum noch geben

Krebs wird in Zukunft einen Teil seines Schreckens verlieren, ist Dr. Peter Ritter, Chefarzt für Onkologie am Hellmig-Krankenhaus überzeugt. Schon heute könnten Krebsarten erfolgreich behandelt werden, gegen die die Medizin vor einigen Jahren noch über keinerlei wirksame Therapie verfügt habe, schilderte er bei einem Vortrag in der Veranstaltungsreihe Pulsschlag des Kamener Krankenhauses und der VHS.

Ursache für die Fortschritte in der Krebsmedizin sei neues Wissen um biologische Prozesse beim Wachstum von Tumorzellen oder bei der Ausbreitung von Metastasen, so der Chefarzt. Das habe neue medikamentöse Ansätze möglich gemacht. Ritter ist überzeugt: In 20 Jahren werde es eine klassische Chemotherapie kaum noch geben.

Schon heute würden neue therapeutische Ansätze gelebt. In vielen Fällen brächte es gute Erfolge, schon vor einem chirurgischen Eingriff andere therapeutische Maßnahmen vorauszuschicken. Kombinationsstrategien könnten zudem Behandlungserfolge verbessern und Nebenwirkungen im Vergleich zu singulären Strategien reduzieren.
Wenn eine Heilung nicht möglich sei, dann könne in vielen Fällen das Wachstum des Krebses und seine Ausbreitung gebremst oder ganz blockiert werden. Derartige palliative Therapien hätten nichts mit Sterbebegleitung zu tun sondern bedeuten lediglich, dass der Krebs wie andere chronische Erkrankungen über Jahre in Schach gehalten werden kann.

Möglich macht das zum Beispiel neues Wissen um Botenstoffe, die Krebszellen aussenden um ihre eigene Versorgung zu erzwingen oder an um an anderen Zellen andocken zu können. Hier greifen neue Medikamente ein.

Trotzdem sei auch heute nicht jede Krebserkrankung erfolgreich zu bekämpfen. "Es gibt über 100 Krebsarten und viele individuelle Verläufe", so Ritter. Wichtig sei in jedem Fall ein interdisziplinäres Zusammenwirken medizinischer Fachdisziplinen, wie dies heute in Krebszentren wie dem Cancer Center des Klinikums Westfalen praktiziert wird, dem die Onkologie in Kamen angeschlossen ist.  Wichtig sei aber auch, dass Ärzteschaft und Forschungslabore, Krankenhäuser und pharmazeutische Industrie an einem Strang ziehen, um therapeutische Konzepte weiter zu entwickeln, nicht nachzulassen bei klinischen Studien und der Forschung nach neuen Medikamenten.